Wer sich bewirbt, gewinnt immer – sei es an Erfahrung, Selbstvertrauen oder neuen Perspektiven.
Özge Deviris

Vom Rückschlag zum Sprungbrett – Wie das Deutschlandstipendium 
Türen öffnet

Ein Erfahrungsbericht von Özge Deviris

Ein Abend, der Türen öffnete

Es ist ein frostiger Dezemberabend im Jahr 2014, kurz vor 18 Uhr. Ich stehe vor einem italienischen Restaurant in der Nähe des Hildesheimer Museums. Die Scheiben sind beschlagen, drinnen brennt gedämpftes Licht. Ich ziehe meinen Mantel enger um mich, obwohl es nicht nur die Kälte ist, die mich frösteln lässt. Ich bin früh dran. Soll ich schon hineingehen oder lieber noch warten? Soll ich meinem Förderer Bescheid geben, dass ich schon da bin oder wirkt das aufdringlich? Ich merke, wie meine Gedanken immer schneller kreisen. Es ist mein erstes Treffen mit meinem Förderer des Deutschlandstipendiums, und obwohl ich mich darauf freue, will ich vor allem eines: Nichts falsch machen.

Schließlich entscheide ich mich, den ersten Schritt zu machen und in das Restaurant hineinzutreten. Diese kleine Entscheidung steht sinnbildlich für vieles, was ich im Rahmen des Deutschlandstipendiums lernen durfte: Mut zur Initiative! Drinnen setze ich mich an den Tisch und lege meine Hände um ein leeres Glas. Sie sind kalt, obwohl es im Lokal angenehm warm ist. Auch im Sitzen lassen mich die Fragen nicht los: Warte ich mit der Bestellung?
Wer reicht zuerst die Hand? Bin ich hier als Studentin oder Gesprächspartnerin auf Augenhöhe anwesend?

In diesem Moment betritt mein Förderer lächelnd das Restaurant. Er kommt auf mich zu, reicht mir die Hand und fragt, ob er sich mir gegenübersetzen darf. Schon nach den ersten Worten fällt die Anspannung von mir ab. Er fragt, ob er mich duzen darf und wir wechseln schnell ins „Du“ – und plötzlich fühlt sich alles leichter an.

Wir sprechen über unsere Wege an die HAWK Hildesheim, über Seminare, Interessen und fachliche Themen. Zu dem Zeitpunkt bin ich Studentin im zweiten Jahr des Bachelorstudiengangs Bildung und Erziehung im Kindesalter und er ist Dozent im gleichen Fachbereich. Die fachliche Nähe macht das Gespräch vertraut und offen. Gleichzeitig merke ich: Ich muss hier nichts beweisen. Ich darf fragen, nachdenken und erzählen.

Am Ende des Abends ist aus meiner Nervosität Ruhe geworden. Wir verabschieden uns mit einer herzlichen Umarmung und verabreden ein weiteres Treffen im Anschluss – Kein steifes Business-Essen, sondern ein echtes Miteinander.

Auf dem Weg zum Deutschlandstipendium

Mein Weg zum Deutschlandstipendium war nicht geradlinig.
Als ich mich 2013 zum ersten Mal bewarb, erhielt ich eine Absage. Zu Beginn meines Studiums hatte ich noch keine benoteten Leistungen vorzuweisen, und zwischen Studium und Nebentätigkeit fehlte mir die Zeit für ehrenamtliches Engagement. Die Absage traf mich. Für einen Moment fragte ich mich, ob ich überhaupt eine Chance hatte.

Doch ich ließ den Gedanken nicht los. Statt aufzugeben, nutzte ich das Jahr, um meine Leistungen aufzubauen und mich neu zu orientieren. Ich begann, mich in einer gemeinnützigen Initiative zu engagieren – nicht aus strategischen Gründen, sondern weil ich merkte, dass mir genau das gefehlt hatte. Etwas, das über Leistung hinausging.

Als ich mich erneut bewarb, war ich nicht nur besser vorbereitet – ich war auch sicherer in dem, was ich wollte. Im Oktober 2014 kam die Zusage. Ich saß allein in meinem Zimmer im Studierendenwohnheim und las die E-Mail mehrmals, weil ich dachte, ich hätte mich verlesen. Dieses Gefühl aus Erleichterung, Stolz und Dankbarkeit vergesse ich bis heute nicht.

Zunächst bedeutete das Deutschlandstipendium für mich vor allem eines: Finanzielle Entlastung. Die 300, - Euro im Monat gaben mir mehr Luft zum Atmen, mehr Zeit und mehr Fokus auf mein Studium. Doch sehr schnell wurde mir klar, dass das Stipendium weit mehr war als ein monatlicher Betrag. Die regelmäßigen Treffen mit meinem Förderer wurden für mich zu einem wichtigen Anker. Neben fachlichem Austausch war da jemand, der zuhörte, nachfragte und ermutigte. Die finanzielle Unterstützung war wertvoll. Seine ideelle Begleitung war unbezahlbar. Er wurde zu einer wichtigen Ansprechperson, die mich fachlich und persönlich unterstützte. Diese Form der individuellen Begleitung, gepaart mit neuen Kontakten und Perspektiven, hat meine Entwicklung nachhaltig geprägt.

Vom Deutschlandstipendium zum Sprungbrett – mein persönlicher Aufstieg
Heute blicke ich mit großer Dankbarkeit auf diese Zeit zurück. Ich bin eine von über 33.000 geförderten Stipendiat:innen bundesweit – und trotzdem fühlte es sich an, als wäre meine persönliche Geschichte gesehen worden.
Das Deutschlandstipendium wurde für mich zu einem Sprungbrett: Es stärkte mein Selbstvertrauen, eröffnete neue Perspektiven und ebnete mir später den Weg in ein weiteres Begabtenförderungswerk, das Avicenna-Studienwerk. Auf diese Weise konnte ich mein Masterstudium finanzieren. Rückblickend kann ich sagen: Das Deutschlandstipendium war als Referenz und Erfahrung ein entscheidender Baustein meiner akademischen und persönlichen Entwicklung. 
Hätte mir jemand zu Beginn meines Bachelorstudiums gesagt, welchen Weg ich gehen würde, hätte ich es wahrscheinlich nicht für möglich gehalten.

Was mir diese Erfahrung gezeigt hat – Mut zur Initiative!
Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe, geht weit über Zeugnisse und Lebensläufe hinaus. Ich habe gelernt, dass Rückschritte kein Ende markieren müssen. Manchmal zwingen sie uns, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und neu anzusetzen. Sie zeigen, was noch nicht stabil war, was übersehen wurde oder was anders wachsen will: Wie ein Baum, der im Sturm ein paar Äste verliert, aber dadurch seine Wurzeln tiefer in die Erde treibt.
Fortschritt ist selten eine gerade Linie. Er ist ein Weg mit Umwegen, Pausen und manchmal auch einem Schritt zurück. Doch genau dieser Schritt zurück kann dir den nötigen Abstand geben, um klarer zu sehen – und danach umso entschlossener voranzugehen. Ich habe gelernt, dass es manchmal hilft einen Schritt zurückzugehen, um mit Anlauf einen weiten Sprung nach vorne zu machen.

Studierenden, die sich bewerben möchten, kann ich nur eines sagen: Lasst euch nicht von Unsicherheiten oder Rückschlägen aufhalten. Oft ist es genau dieser eine Schritt, der neue Türen öffnet und den weiteren Weg entscheidend prägt.
Denn oft gilt: Nicht trotz des Rückschritts wächst du – sondern wegen ihm.

Es reicht ein einziger Moment der Initiative, um seinen Weg nachhaltig zu verändern. Ich habe die Chance ergriffen und meine Zukunft gestaltet.  Was ist mit dir? Jetzt bist du an der Reihe! Ergreife deine Chance und bewirb dich! Mut zur Initiative zahlt sich aus – wortwörtlich!

Ergreife deine Chance – Gestalte deine Zukunft mit dem Deutschlandstipendium

15 gute Gründe, um sich für das Deutschlandstipendium zu bewerben:

  1. Du hast eine finanzielle Entlastung durch einen monatlichen Zuschuss von 300,- Euro – unabhängig vom Einkommen deiner Eltern.
  2. Du wirst für mindestens zwei Semester gefördert, mit Möglichkeit der Verlängerung.
  3. Deine bisherigen Leistungen und dein Engagement werden anerkannt.
  4. Dein Lebenslauf wird durch ein prestigeträchtiges Stipendium gestärkt.
  5. Du hast Zugang zu einem großen interdisziplinären Netzwerk aus Förderer:innen, Unternehmen und Stipendiat:innen, was deinen Horizont erweitert.
  6. Du hast die Möglichkeit exklusiven Veranstaltungen, Workshops und Weiterbildungen zu besuchen.
  7. Du kannst dich persönlich mit deiner Förderperson austauschen, die dir berufliche Türen öffnen kann.
  8. Du hast Motivation und Rückenwind für dein weiteres Studium.
  9. Du bist unabhängig von Nebentätigkeiten und hast mehr Zeit, um dich auf dein Studium zu fokussieren.
  10. Du hast mehr Freiraum für ehrenamtliches Engagement oder akademische Projekte.
  11. Du hast die Chance das Stipendium als Sprungbrett für weitere Stipendien zu nutzen.
  12. Du hast keine Rückzahlungsverpflichtung.
  13. Du bist in einem fairen Auswahlprozess: Nicht nur Noten zählen, sondern auch Persönlichkeit und Engagement.
  14. Deine Bewerbung lohnt sich – selbst bei Unsicherheit. Eine Absage ist kein Nachteil bei späteren Versuchen, sondern zeigt viel dein ausgeprägtes Engagement und deine persönliche Weiterentwicklung!
  15. Du zeigst Eigeninitiative, Zielstrebigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Das heißt, dass du deine persönlichen Fähigkeiten weiterentwickelst.

Özge Devris

Studiengang: Kindheitspädagogik

Förderperiode: 2014

Förderer: Karen und Dr. Carsten Schmidt