Man muss es einfach versuchen. Oft hält einen nur der eigene Kopf davon ab.
Marie Orban führte anlässlich des 15 jährigen Jubiläums ein Interview mit Daniela Zwicker, Koordinatorin HAWK.
Mut zur Bewerbung
Als Marie Orban die E-Mail öffnete, konnte sie es kaum glauben: Sie hatte das Deutschlandstipendium bekommen.
„Ich habe mich riesig gefreut“, erinnert sie sich. „Es war dieses Gefühl, einmal tief durchatmen zu können.“
Die 300 Euro monatlich bedeuteten für sie vor allem eines: Sicherheit. Während ihres Masterstudiums an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst war sie für ihre letzten Semester nach Göttingen gezogen – in eine Stadt, in der das Leben deutlich teurer war als zuhause. Gleichzeitig stand ihre Masterarbeit bevor, und die Zeit für Nebenjobs wurde knapper.
„Ohne das Stipendium hätte ich mir eine Stelle mit deutlich mehr Stunden suchen müssen. Dann wäre weniger Zeit fürs Studium geblieben“, sagt sie.
Mit der Förderung konnte sie sich auf das konzentrieren, was wirklich zählte: ihr Studium und ihre Abschlussarbeit. Gleichzeitig arbeitete sie nebenbei im Regionalmanagement – eine Stelle, die perfekt zu ihrem Studienfach passte und wertvolle praktische Erfahrungen ermöglichte. Dabei hätte sie sich beinahe nie beworben.
Während ihres Bachelorstudiums war Marie überzeugt, ihre Noten würden nicht ausreichen. Sie hatte gehört, dass man für das Deutschlandstipendium besonders gute Noten brauche – und ging deshalb davon aus, dass ihre Chancen gering seien.
Heute weiß sie: Diese Annahme war ein Irrtum.
An der HAWK gibt es keine feste Notengrenze für das Deutschlandstipendium. Neben den Studienleistungen zählen auch Engagement, persönliche Lebenswege und besondere Herausforderungen. Doch viele Studierende – so wie damals auch Marie – unterschätzen sich selbst. „Ich habe mich im Grunde selbst ausgebremst“, sagt sie rückblickend.
Erst im dritten Semester ihres Masterstudiums fasste sie den Entschluss, es einfach zu versuchen. Und wurde direkt ausgewählt. Diese Erfahrung hat ihre Perspektive verändert – und auch ihr Selbstbewusstsein gestärkt.
„Es steht heute noch auf meinem Lebenslauf. Und ich schreibe es auch mit Stolz hin“, sagt sie. „Man merkt: Das ist etwas, das man sich verdient hat.“
Während ihrer Förderung entstand außerdem ein Netzwerk unter den Stipendiat*innen. Man erkannte sich auf dem Campus, tauschte Erfahrungen aus und unterstützte sich gegenseitig.
Für Marie war das ein wichtiger Teil der Förderung: „Man merkt plötzlich, dass da viele andere sind, die ähnlich denken und ähnliche Ziele haben.“
Im September 2025 schloss sie ihr Studium erfolgreich ab – als Erste in ihrer Familie mit einem Masterabschluss.
Ein besonderer Moment war die Abschlussfeier, bei der ihre Eltern zum ersten Mal den Campus sahen, auf dem sie mehrere Jahre studiert hatte. „Meine Eltern haben beide einen Realschulabschluss. Für sie war das etwas ganz Besonderes“, erzählt sie.
Heute arbeitet Marie als Citymanagerin. Ihren Job fand sie fast zufällig: Eine Stellenausschreibung entdeckte sie einen Tag nach Ablauf der Bewerbungsfrist. Trotzdem schickte sie ihre Unterlagen noch ab – und wurde wenige Tage später zum Gespräch eingeladen.
Heute weiß sie: Manchmal muss man einfach den ersten Schritt wagen.
Ihr Rat an zukünftige Bewerber*innen für das Deutschlandstipendium ist deshalb klar: „Man muss es einfach versuchen. Oft hält einen nur der eigene Kopf davon ab.“ Oder, wie sie es heute formuliert:
Mut zur Bewerbung lohnt sich.
Marie Orban
Studiengang: Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung
Förderperiode: 2024
Förderer: GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH