Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung steht das gemeinsame (Theater-)Spiel von Bachelorstudierenden der Sozialen Arbeit mit Schüler*innen einer "Sprachsensiblen Klasse" der Geschwister-Scholl-Schule in Hildesheim.
Das Projekt ermöglicht eine vertiefte Erfahrung der eigenen sozialarbeiterischen Rolle
Was ist eine sprachsensible Klasse?
Sprachsensible Klassen" werden von Jugendlichen besucht, die i.d.Regel seit weniger als einem Jahr und mit unterschiedlich sicherer Aufenthaltsperspektive in Deutschland leben. Die Klasse, mit der wir gearbeitet haben, bestand im Schnitt aus 16 Jugendlichen im Alter von 12-18 Jahren aus der Ukraine, Somalia, dem Tschad, Syrien, der Türkei, dem Irak, der Elfenbeinküste, Nordmazedonien, Indien und Albanien. Der Klassenlehrer André Schrader begleitete das Projekt seitens der Geschwister-Scholl-Schule.
Nach dem Wintersemester wechselte etwa die Hälfte der Schüler*innen in eine Regelklasse, die meisten wollten aber weiter Theaterprojekt teilnehmen. Neu nach Deutschland eingereiste Schüler*innen kamen immer wieder dazu und fanden ihren Platz im Projekt.
Projektverlauf: Vorbereitung einer gemeinsamen Aufführung
Die Schüler*innen kommen einmal die Woche für 2,5 Stunden in den Theaterraum an die HAWK. Vor und nach jedem Treffen haben die Studierenden Zeit für Reflexion und Absprachen.
Während der Treffen wird mit einer Mischung aus Groß- und Kleingruppen-Aktivitäten gearbeitet. Die Übungen und Aufgabenstellungen werden kontinuierlich an die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Wünsche der Gruppe oder einzelner Teilnehmender angepasst.
Im ersten Schulhalbjahr standen Spiele und Übungen zum Kennenlernen im Mittelpunkt, außerdem Besuche im Theater für Niedersachsen und eine gemütliche Weihnachtsfeier. Im Januar wurden Szenen zum Thema „Gänsehaut“ gemeinsam entwickelt und zum Ende des Semesters einem kleinen Publikum präsentiert, um erste Aufführungserfahrung zu sammeln.
Für die zweite Projektphase entschieden sich die Studierenden für das Thema „Zeit“. Zu diesem Thema wurde mit verschiedenen Ideen szenisch probiert, und bald stellte sich heraus, dass eine Zeitmaschine gebaut und mit ihr in verschiedene Zeiten gereist werden sollte. Alle konnten sich ihre Rollen aussuchen und an der Entwicklung der Szenen, dem Basteln von Kostümen und Requisiten oder auch an der Technik beteiligen. Den Höhepunkt bildete die hochschulöffentliche Aufführung „Durch Zeit und Raum“.
Rolle der Studierenden: die eigenen (sozialarbeiterischen) Rolle(n) durch das Spiel zu begreifen
Als Studierende Teil dieses Projektes zu sein bedeutet, in unbekanntem Terrain Lernende und Vorbild gleichzeitig zu sein. Es bietet eine Vielfalt von Gelegenheiten, die eigenen Kompetenzen zu erforschen und zu erweitern. Es bedarf einer gelingenden Mischung aus Zurückhaltung und Aktivität. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe unter allen Beteiligten ist wichtig.
Die sprachlichen Hürden sind eine Herausforderung, für deren Bewältigung es nicht immer eine einfache Lösung gibt, auch wenn im Theater mit Körpersprache und Mimik vieles kompensiert werden kann. Experimentierfreude, Kreativität und genaue Beobachtung sind hier sehr wertvoll.
Sehr hilfreich sind außerdem Geduld, Offenheit und Flexibilität, was den Probenprozess angeht, sowie die grundsätzliche Bereitschaft, voneinander zu lernen und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zum Gelingen des Projekts beizutragen.
Die Studierenden übernehmen auch Aufgaben in selbst gewählten Teams, um sich zum Beispiel um Ausstattung, Fotos, Werbung und Programmzettel zu kümmern. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten tragen alle zum Gelingen des Projekts bei.
So ermöglicht das Projekt eine vertiefte Erfahrung des eigenen Ausdrucks, der eigenen Wirkung, der eigenen (sozialarbeiterischen) Rolle(n) in unterschiedlichen Situationen.
Eine Reise durch die Zeit - Das Motto des Theaterstücks führt die Zuschauenden mithilfe einer Zeitmaschine durch unterschiedliche geschichtliche Epochen, wie die Urzeit, das Mittelalter, in die Zukunft sowie durch unterschiedliche Lebensstadien.
Eckdaten zum Projekt
Studiengang
B.A. Soziale Arbeit (Hildesheim)
Studienbereich
Soziales
Zeitraum
Wintersemester 2025/26 und Sommersemester 2026
Externe Beteiligung
Schüler*innen einer sprachsensiblen Klasse" der Geschwister-Scholl-Schule in Hildesheim
Ziel
Studierende und Schüler*innen entwickeln gemeinsam Theaterszenen für einen Auftritt vor Publikum
Verortung im Studium
zweisemestriges Projektmodul im 3. und 4. Semester