Details

Date
30.06.2026-10.11.2026
Zeit
16:00-17:00 Uhr

HAWK-Expertin Roksana Jachim zeigt ab 30. Juni immer dienstags ihre Fachkompetenz am Objekt

 

Roksana Jachim nimmt sich ab Sommer dem Trinitatisaltar im RPM
Museum Hildesheim an. Die auf spätmittelalterliche Flügelaltäre
spezialisierte Restauratorin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Hildesheim/ Holzminden/Göttingen verfügt über umfassende
Erfahrung in der Sicherung sensibler historischer Farbfassungen. Das
Besondere dabei: die Öffentlichkeit kann ihr immer dienstags über die
Schulter schauen und Fragen rund um das Objekt stellen.

Restaurierung als öffentliches Erlebnis
Ab dem 30. Juni 2026 ist diese Restaurierung einmal pro Woche, immer
dienstags von 16 bis 17 Uhr, im Rahmen des normalen
Museumsbesuchs im 2. Obergeschoss des RPM öffentlich zugänglich.
Besucher*innen erhalten bis voraussichtlich Ende des Jahres die
Möglichkeit, die Fortschritte vor Ort mitzuerleben und Einblicke in
restauratorische und wissenschaftliche Entscheidungsprozesse zu
gewinnen.

Das Objekt und seine Geschichte
Das Retabel aus dem ehemaligen Trinitatisspital in Hildesheim zählt zu
den bedeutendsten Werken der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in
Niedersachsen. Mit seiner qualitätvollen Schnitzkunst und der
vielschichtigen historischen Fassung ist es ein herausragendes Zeugnis
spätmittelalterlicher Frömmigkeits- und Bildkultur der Region.
Viele Standortwechsel in der Geschichte des Trinitatisaltars und
frühere Eingriffe haben das Kunstwerk in einen empfindlichen Zustand
versetzt. Schäden durch ungünstige Lagerbedingungen sowie
Spannungen im Material, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben,
machen nun eine sorgfältige und kontinuierliche konservatorische
Betreuung erforderlich, so die Experten.
Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Heritage
Resilience Analysis (HeRA)“ befasst sich Roksana Jachim gemeinsam
mit ihren Kolleg*innen an der HAWK mit der Widerstandsfähigkeit und
nachhaltigen Sicherung von Kulturerbe unter sich wandelnden
Umwelt- und Erhaltungsbedingungen. Dabei verbindet sie
materialwissenschaftliche Untersuchungsmethoden mit
konservatorischer Praxis und interdisziplinärer Forschung.
„Diese enge Verzahnung von Analyse, Prävention und restauratorischer
Erfahrung qualifiziert Frau Jachim in besonderer Weise für die
anspruchsvollen Arbeiten an dem Retabel“, sagt die Direktorin des
RPM Museum Hildesheim Dr. habil. Lara Weiss. Die Museumsleitung
hat sich daher entschieden, dem besonderen Objekt eine erneute
konservatorische Betreuung zu ermöglichen und es perspektivisch in
einen Bereich des Museums zu integrieren, der eine noch besser
kontrollierbare Umgebung bietet und zugleich eine intensivere
öffentliche Wahrnehmung erlaubt. Mit der geplanten Maßnahme, die
Restaurierung als öffentliche Schaurestaurierung durchzuführen, setzt
das RPM ein bewusstes Zeichen für die nachhaltige Sicherung des
Kulturguts, seine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung und
größtmögliche Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Zugleich
erhalten Besucher*innen die seltene Gelegenheit, konservatorische
Arbeit unmittelbar mitzuerleben und Einblicke in die komplexen
Prozesse hinter dem Erhalt historischer Kunstwerke zu gewinnen.
„Beim Trinitatisaltar bewegen wir uns in einem Gefüge aus komplexen
inneren Spannungen und bewusst hergestellten Sollbruchstellen. Vor
diesem Hintergrund ist es nicht unwahrscheinlich, dass erneut
konsolidierende Maßnahmen notwendig werden. Ziel ist es, diese
Prozesse frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll zu begleiten“,
bewertet Roksana Jachim ihre Aufgabe.

Einbindung in das Forschungsprojekt HeRA und langfristiges
Monitoring
Die Restaurierung wird wissenschaftlich im Rahmen des
Forschungsprojekts HeRA – Heritage Resilience Analysis – an der
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst begleitet
Gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und
Kultur (MWK) zielt das Projekt auf die Entwicklung eines KI-gestützten
Monitorings mittels Terahertz-Zeitbereichsspektroskopie (THz-TDS) ab,
einer zerstörungs- und berührungsfreien spektroskopischen
Analysemethode, mit der innere Strukturen und Materialablösungen
bildgebend sichtbar gemacht werden können. Der Trinitatisaltar wurde
bereits in einem früheren HAWK-Projekt mit dieser Technik untersucht.
Die aktuellen Messungen im Rahmen von HeRA ermöglichen nun
durch die Nutzung eines neu entwickelten THz-Handheldsystems
frühere und neue Daten systematisch zu vergleichen.
Dr. Kirsti Krügener, Projektleiterin von HeRA, erklärt: „Die Terahertz-
Untersuchungen machen minimale strukturelle Veränderungen
sichtbar und erlauben ihre Beobachtung über längere Zeiträume. Der
Trinitatisaltar eignet sich aufgrund seiner komplexen
Materialgeschichte ideal für dieses wissenschaftliche Monitoring“.

Die Schaurestaurierung des Trinitatisaltars findet ab 30. Juni 2026
immer dienstags von 16 bis 17 Uhr im 2. OG des Neubaus des RPM
Museum Hildesheim statt.

Es gilt der reguläre Museumseintritt.

Das RPM freut sich auf zahlreiche Besucher*innen, die die
Restaurierung des Trinitatisaltars aus nächster Nähe live mitverfolgen
möchten. Wir danken unseren großzügigen Fördermittelgebern: RPM-
Stiftung, Hildesheimer Museumsverein e.V., Kaiserhausstiftung Heinz
Geyer, Hildesheimer Altstadtgilde e.V.